| In der Vorgeschichte war die Sierra de Guadarrama für die menschliche Zivilisation nur eine Durchgangsstation bei der Überquerung der Meseta. Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, daß es hier bereits vor Ende der Bronzezeit feste Siedlungsplätze gegeben hätte. Spuren humaner Anwesenheit gibt es allerdings sehr wohl hier, und zwar auch bereits aus der Bronzezeit: Genannt seinen die Keramikfunde in den Steinbrüchen von Zarzalejo; noch älter ist der Grabmegalith von Entretérminos. Während der Eisenzeit bildete die Sierra die Grenze zwischen den keltischen und den iberischen Völkern. |
| Reichlicher werden die historischen Zeugnisse für die Römerzeit. Hier ist in erster Linie natürlich an die teilweise noch erhaltene Calzada Romana (Bild links), die alte Römerstraße, zu denken. Enstanden zu Zeiten Kaiser Vespasians (69 - 79 n.Chr.), verband sie die alte Römersiedlung Titulcia, südöstlich von Madrid, mit Segovia. Ihre Trasse führte über das heutige Collado Villalba und verlief dann entlang der Grenzliene zwischen den Marken Guadarrama und Alpedrete nach Cercedilla, wo sie den Fluß Venta (er ändert hier seinen Namen in Río Guadarrama) überquert; weiter ging es dann durch das Tal von Fuenfría hinauf zum gleichnamigen Paß, von dort den Río Valsaín entlang nach Segovia. |
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Natürlich konnte eine solche Strecke schwerlich an einem Tag
bewältigt werden, und so entstanden am Wegesrand schon bald
Ralaisstationen für die Truppen, Unterkünfte für die Händler und
sonstigen Reisenden. Einer der Orte, die im Zuge dieser Entwicklung
entstanden sind, ist höchstwahrscheinlich Cercedilla. Jedenfalls
konnten Archäologen an der Stelle, wo sich heute die Ermita de
Santa María befindet, Reste eines Römerlagers nachweisen. Erwähnt werden sollen noch die im Verlaufe der Bauarbeiten an der Calzada Romana entstandenen römischen Brücken, von denen noch vier in der Sierra de Guadarrama erhalten sind. Die größte davon ist die Puente del Molino, etwa 10m hoch. Sie befindet sich am Ortseingang von Cercedilla, wenn man aus Richtung Los Molinos den Ort betritt. Eine vielbefahrene Landstraße führt heute darüber. Recht unscheinbar dagegen ist die Puente de la Venta, an der Landstraße von Cercedilla nach Las Dehesas. Hier wurde ein Stein mit römischer Inschrift gefunden (heute im Archäologischen Museum Madrid), welcher Vespasian als Bauherrn der Calzada samt der dazugehörigen Brücken nennt. Die wohl schönste und meistfotografierte Römerbrücke ist die Puente de Descalzo; sie befindet sich etwas unterhalb des Chalets de Peñalara, dort, wo der heute noch sichtbare Teil der Calzada beginnt. Steigt man diese weiter hoch, so trifft man in ungefähr 1600m Höhe auf die landschaftlich wunderschön gelegene Puente de Enmedio. Auch für die nachrömische Zeit hält die Sierra de Guadarrama historische Zeugnisse bereit. Spuren der Westgoten finden sich noch in Cercedilla, Los Molinos besitzt Reste einer maurischen Befestigungsanlage. Die maurische Besatzung in der Sierra dauerte bis hin zur Regierungszeit Alfons VI. (1065-1109 König von León, seit 1072 auch von Kastilien). Nun begann eine Besiedelung dieses Gebietes, welches bis zur Neueinteilung der Provinzen im Jahre 1885 größtenteils zu Segovia gehörte. Diese Entwicklung führte bis ins 14. Jahrhundert zu ständigen Konflikten mit Madrid. König Ferdinand III. (1217-1252) stoppte zunächste die Besiedlungspolitik Segovias; die bereits bestehenden Orte Guadarrama und Galapagar ließ er wieder schleifen. Als nach seinem Tode die segovianischen Siedler erneut in die Sierra drängten, bestellte König Alfons X. (der Weise, 1252-1284) einen königlichen Prokurator für diese Gegend. Im Verlaufe des 14. und 15. Jahrhunderts gingen die hier gelegenen Güter in Adelsbesitz über; seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts emanzipierten sie sich zu freien Gemeinden (Guadarrama 1504, Galapagar 1523, Collado Villalba 1630, um nur einige zu nennen). Zur jüngeren Geschichte der Sierra de Guadarrama gehört auch der Verlauf ihrer Erschließung. Im Jahre 1912 gründeten hier die schon legendären "doce amigos", die zwölf Freunde also, zu denen als bekannteste Vertreter Enrique Herreros, Manuel Gómez de Amezúa, Antonio Victory und der Österreicher Eduard Schmidt gehörten, den Club Alpino Español und die Real Sociedad de Alpinismo Peñalara (R.S.E.A.). Ihr Ziel war die Förderung der Wanderbewegung und des Naturschutzes in der Sierra. Zu diesem Zwecke wurden Wege angelegt und markiert, Quellen umfaßt und Schutzhütten gebaut. Einige Wege und Quellen tragen noch heute den Namen einer der zwölf Freunde, so z.B. der Camino Schmidt, der die beiden Puertos von Fuenfría und Navacerrada miteinander verbindet. Bereits kurz nach Gründung der R.S.E.A. wurde unterhalb des Puerto de la Fuenfría das Chalet de Fuenfría (heute: de Peñalara) gebaut. Es diente und dient immer noch als Schulungs- und Tagungsstätte sowie als Unterkunftsmöglichkeit für die Mitglieder des Gebirgsvereins. |